Nach einer längeren Pause zurück – diesmal USA – it’s the final countdown

Das Schreiben ist eine Muse, dieses gewisse Unerklärliche etwas muss ins Schwingen geraten, damit es funktioniert. Ich wurde im Vorfeld gefragt, ob es wieder spannende Geschichten zu lesen geben wird. Etwas, was ich im Vorfeld nicht beantworten kann. Aber bereits an meinem ersten Flughafenstopp in Detroit sitze ich mit meinem kleinen Travelbook im Cafe und tippe die ersten Eindrücke. Wie ich kürzlich feststellen musste, könnte dies mittlerweile auch ChatGTP ganz gut für mich übernehmen. Da ich aber genauso gerne diese Geschichten schreibe, wie andere sie lesen, sind die weiteren Geschichten: survived and written by Daniel.

Mein dritter Handywecker klingelt mit “it’s the final countdown” und es dämmert mir langsam, dass es ernst gemeint ist. Ich bin mit dem Bewusstsein eingeschlafen, dass die gestrige Einweihungsparty mit Weißwein auf dem Wohnungsdach und guten Freunden die Übermüdung auf dem heutigen Flug wert sei. Gerade bin ich mir da nicht mehr ganz sicher. Nachdem ich mit meinem gepackten Taschen durch das durchzechte Köln flitze, wobei flitzen eher auf meine subjektive Wahrnehmung zutrifft, der objektive Betrachter würde es vermutlich schlurfen nennen, ist mir klar, dass ich meinen SuperSparICE am Hauptbahnhof nicht mehr bekommen werde. Die Übermüdung lässt mich mit der Situation aber entspannt umgehen und ich denke, erst mal nen Kaffee holen und dann schaue ich weiter. Für diese entspannte Haltung werde ich letztendlich von der Bahn belohnt, denn sie wartet mit zuverlässiger Verspätung auf mich.

“On the road again” plärrt es aus meinem Handy, um mich darauf vorzubereiten, dass ich gleich am Flughafen in Frankfurt aussteigen sollte. Der Baustellenbetrieb und Bus Shuttle Service zu Terminal 2 verleitet mich, durch mein neu erworbenes Spotiy Abo zu crawlen. Mit “bring back my memories” machen wir Zwischenstop am Long Distance Bus Terminal. Abfahrtsstation verschiedener Ruf Reisen in jungen Jahren. Ich sehe uns 4 Jungs von damals mit spackelig nackten Oberkörpern einen auf coole Jungs machen. Die Reisegruppe voller Tennies, die nicht unbedingt auf unser Balzgehabe gewartet hatte, aber irgendwie auf einer 16 stündigen Busfahrt nicht wirklich darum herum kam. Erinnerungen, die mehr als 25 Jahren zurückliegen. Es gibt einen kleinen Vorgeschmack, auf eventuelle Begebenheiten, die mich auf dieser Reise erwarten werden. Ich werden Kornfelder wiedersehen, durch die ich vor 25 Jahren gestreift bin. Wie viele Kornfeldbewohner ich von damals wiedertreffen werden, weiß ich nocht nicht, die übergewichtige Landbevölkerung der amerikanischen Rednecks ist nicht unbedingt für eine hohe Lebenserwartung bekannt. Die Rede ist von Campbellsburg, Indiana. Ein Ort der nur schwer auf der Karte zu finden ist. Eine Schule, ein K+E Market, 2 Tankstellen, eine Poolhall, 7 Kirchen und 300 verstreute Rednecks. Ich klicke weiter zu “mixed feelings”.

Flughäfen versetzen mich oft in einen schönen kribbeligen Vorfreudezustand, starten doch von hier oft Reisen ins Unbekannte. Good Morning Sir, welcome to Delta Airlines. Ein schöner Auftakt, dem dann aber ein knallhartes Bewerbungsgespräch folgte. Meine Arbeitsgeschichte im Schnelldurchlauf, amerikanische Vorabeinreisekontrolle schon vor der Gepäckabgabe. Gut, dass ich vorbereitet war und ihm lächelnd meine Visitenkarte zum Abschied schenke. Er hat einen Cousin aus der dominikanischen Republik, für den könnte das hilfreich sein.

Ich habe nicht mehr mitgezählt, wie viel Fluggesellschaften ich in meinen 41 Jahren schon kennengelernt habe, Delta kommt als neue Erfahrung nun hinzu. Das Unterhaltungsprogramm bestand in diesem Fall nicht aus der Bordelektronik sondern aus dem Bordpersonal. Habt ihr schon mal versucht 5 Minuten über das Benutzen von Kopfhörern vorzutragen. Ich hätte nicht geglaubt, dass es möglich ist, jetzt weiß ich es geht. Mein älterer mazedonischer Sitznachbar hat aufmerksam zugehört, ob er irgendwas davon verstanden hat, weiß ich bis zum Ende nicht. Ein Auszug: “Honey, you have to stick the one end with an L in your left ear, than you stick the other earpiece, the one with an R, into the right ear. That looks good sweetie. Yes, you can do it. Now take it back out, so I can tell you how you plug it into the device. But remember, the one with the L goes into the left ear and the one with the R into the right ear.” Wenn ihr euch das laut vorlest, kommt ihr noch nicht einmal auf eine halbe Minute. Slapstick vom feinsten, auch dann noch, wenn jene, die mich gut kennen, einen Übertreibungsfaktor von 50 % abziehen. 

In Detroit angekommen, erwartet mich amerikanische Großzügigkeit. Viel Platz, viel Klimaanlage, viele Laufbänder, eine reibungslose Einreise- wie Zollkontrolle mit viel Technik und Personal, die ihren Job sehr ernst nehmen. Der zweite Sicherheitscheck sieht aus wie eine Kernspintomographie. Das Sicherheitspersonal heißt hier U.S. Security Officer. Und wer das goldene Abzeichen nicht lesen kann und die ganzen Sterne auf der Uniform vielleicht nicht sieht, wird auch per Megaphon noch mal abgeholt: “It’s your U.S. Security Officer speaking, please take of all jackets, shoes and everything you can take of. Der ein oder andere in der Warteschlange fing schon an sich zu entkleiden, als er nachschiebt “you can leave your shorts on”. Welcome to America again. Long time no see. Great to have you here again. Die Freude ist meinerseits, danke.

Trotz leichter pharmazeutischer Nachhilfe, nicht immer voll aufzudrehen, womöglich, zu überdrehen, bleibt mein Hang zu einem gewissen Nervenkitzel auf Abenteuerreisen ein wichtiger Bestandteil meines Ichs. Nachdem ich in Frankfurt noch drauf verzichtet habe, sitze ich nun entspannt in Detroit am Flughafen bei Live Klaviermusik, texte so vor mich hin und höre etwas, was wie “last call for Mr. Wundel, gate closes”. Erst ein Blick auf meine Uhr bringt mich dazu, das Gehörte mit mir in Verbindung zu bringen. Ich flitze (aber diesmal wirklich) zum Gate und der amerikanische Gesellschaftsprototyp ruft in Gospelstimme: „Poopie, sweetie hurry up!”

In Cincinnati bin ich etwas enttäuscht. Hatte ich doch Dimitri Kusnezov, Staatssekretär bei Homeland Security in Südkorea auf dem UN Kongress kennengelernt. Unsere fist bump Bekanntschaft hat mir aber dann doch keine Staatslimousine zum Empfang beschert, zumindest meinen Einreisestempel habe ich aber ohne weitere Fragen erhalten. Groß, ganz groß, werden gleich darauf meine Augen als mich mein großer Freund MC am Flughafen freudestrahlend erwartet. Den Wohlfühlfaktor, dass er sich in Big America zuhause fühlt, sehe ich ihm direkt an. Wir steigen in einen Big Jeep Chorikee und noch keinen Tag im Land, kann ich dem Big Feeling einiges abgewinnen. Eine überhebliche Verschwendung, die nicht zu meiner eigentlichen Einstellung passt, der ich mich aber gerne für 2 Wochen hingebe. Fenster runter, Lautstärke rauf und Bruce Springsteen belehrt alle, worauf es hier ankommt: Born in the U.S.A. Bei MC zuhause angekommen, treffen wir Guess Who: American Woman. KD is greating us with a big smile.

Cincinnati is full of wonder, a wonderful Feuerwerk zu meiner Begrüßung (und weil Labour Day ist), a wonderful Pool mit einer wonderful Aussicht und eine wonderful History: mein Lieblingsstadtteil: Over the Rhine (OTR). Zuhause fühlen, war noch nie einfacher, besteht ein Großteil der hiesigen Bevölkerung aus rheinischen Auswanderern, die als Gedenken ihres schönen Kölns, den Wasserstrom in Stadtmitte liebevoll Rhein (Rhine)  getauft haben. Aber der Fachkräftemangel hat auch Amerika fest im Griff, keiner will mehr Metzger oder Bäcker werden, daher gibt es trotz der großen Verwandtschaft nur Sandwich Toast.

Soll mir recht sein. Bei meinem ersten Großeinkauf im Supermarkt, versuche ich mein selbstgestecktes Ziel nicht ganz aus den Augen zu verlieren: Weniger als 10 Kilo zunehmen. Keine einfache Sache, nachdem ich bereits Dr. Pepper, Mountain Dew, Canadian Dry, Weißbrot ohne Rand, 2-Kilo Glas Erdnussbutter, Flüssig-Pancakes und 7 verschiedene Varianten Resees Candy (Erdnussbutter-Schokolade) im Einkaufswagen liegen habe. 

Was machen wir mit alle dem? Einen Roadtrip: 1000 Meilen durch 6 Staaten. Big wheels keep on turning. Die mir bis zum Bauchnabel reichenden Räder laufen gemütlich ihre 1000 Meilen ab, die wir hier zurücklegen. Als wir kurz vorm Ziel den little Manitou River überqueren, wird klar: it’s the end of the world as you know it. Ich stelle fest, interessante Geschichten und kurioses über andere Länder und Kulturen gibt es vor allem zu berichten,  wenn ich alleine durch die Gegend schlendere.

Die Woche in der nordamerikanischen Wildnis (ok Peter Fox korrigiert: Haus am See) war daher bezüglich des Geschichtenpotenzials höchst unspektakulär. Es war schlichtweg fantastisch: Hier sprechen besser die Bilder statt die Worte. Nach dem wir mit einer kleinen Cessna über den Wolken waren und den Rest der Tage mit Blowing in the wind und take me down to my boat on the river verbracht haben, geht es zurück nach Cincinnati.

Ankunft in Cincinnati am Who-day. Die Bengal-Tieger haben ihr erstes Match der NFL-Saison, liefern eine miserable Leistung aber eine grandiose Show. Football kann durchaus unterhaltsam sein. 

Am nächsten Tag steht meine Tour zur Gastfamilie an. Aber dazu brauche ich erstmal ein Auto. Ich war guten Willens, die öffentlichen Verkehrsmittel auszuprobieren. Jeder verdient seine Chance. Nachdem der Bus jedoch zur völlig falschen Zeit an der Haltestelle vorbeikam und auch keine Anstalten machte anzuhalten, war ich von meinem Vorhaben nicht mehr ganz überzeugt.  Wie ich später erfuhr, hätte ich mich quasi wild fuchtelnd vor den Bus werfen müssen und bedürftig dreinschauen müssen, da der normale Amerikaner nun mal nicht mit dem Bus fährt. Fazit: Ich sah zu normal aus. Hätte ich mir einen Kapuzenpulli übern Kopf gezogen und 2 Plastiktüte dabei gehabt, hätte es wohl geklappt. Ich fahre also stattdessen mit Axel Fouli zum Flughafen. Gut, dass wir drüber sprachen, nein nicht Flughafen Detroit, nur Cincinnatti.

Mr. Alamo hatte sich schon darauf gefreut ,mir für eine Handvoll Dollar mehr ein Auto Upgrade zu verkaufen und war entsprechend enttäuscht,  als ich die Schlüssel für meinen Sparkling Violet Chevy Sparx freudestrahlend entgegen nahm. Meinen Kommentar, in Deutschland würde ich in noch kleineren Autos sitzen, hielt er für einen Joke.

Zurück in die Vergangenheit: je näher ich Campbellsburg komme, desto gespannter bin ich, was mich erwartet. Über das Wiedersehen mit meiner Gastfamilie ließen sich schöne Geschichten schreiben, nur bin ich dazu zeitlich nicht mehr gekommen und nun bin ich zurück im Alltag und die kreative Schreibfeder somit wieder im Winterschlaf.

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