It’s a monkey business

Ich warte auf meinen Bootstransfer zurück nach La Pavona. Heue geht es Richtung Südkaribik, Punta Uva. Ich lese zum Zeitvertreib meinen LachYoga Newsletter, der wieder einen Spruch zum Nachdenken bereithält: Mut = Angst + einen Schritt. Ich sinniere darüber und erweitere gedanklich auf: Abenteuer = Mut + einen Schritt. Kuzan Aoi fordert mich auf: “One Step Further”.

Ich hatte mir bereits ein schönes Schild gemalt. Trampen war das angedachte Transportmittel. Ich nehme extra das erste Boot zurück zum Festland, um auf dem großen Mietautoparkplatz Zeit zu haben, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Aber das Großraumtaxi, welches direkt am Anleger wartet, ist unschlagbar günstig und praktisch. Der unschlagbare Preis erklärt sich, als er an jeder weiteren Bushalte anhält und das Paar aus Frankreich neben mir und ich uns verdutzt mit den gleichen Fragezeichen im Kopf anschauen: wo genau will er weitere Personen hinstapeln in einen bereits vollbesetzten 9 Sitzer? Die Tetrisfähigkeit des engagierten Fahrers erinnert mich an Ollis Fähigkeiten sowie frühere Kanutouren. Hätte ich auch selbst drauf kommen können. Jeder nimmt sein Gepäck auf den Schoss, sodass die Einheimischen im Kofferraum Platz haben. Angespornt von so viel Bodenhaftung flitzt Pablo alias “Taxi, Taxi” im Affenzahn nach Cariari. Ist ja schließlich Sonntag, da haben alle bekanntlich den größten Zeitdruck. Umstieg in den Regionalbus nach Guápiles. Alles reibungslos und dank eines quasi kostenlosen öffentlichen Regionalverkehrs begrüßt mich der Fahrer mit: “Hast du mal ‘n Dollar für mich” (oder 500 Colone). Angenehme Abwechslung während die restlichen Preise des Landes eher europäischem Niveau gleichen. Nach nicht mal 9 Stunden wecken mich die Eagles mit „welcome to the Hotel California“ such a lovely place. Da die Eagles den Hit vor rund 50 Jahren geschrieben haben, verwundet es nicht, dass es mittlerweile Hotel Arrecife heißt, aber an seiner Schönheit nichts eingebüßt hat.

5 Uhr. Ich bleibe einfach im Jetlag Rhythmus und genieße mit Milow noch ein bisschen: “Howling at the Moon” bevor die Morgendämmerung einsetzt und kurz darauf der Himmel seine Schleusen öffnet. Ich wechsle zu Reinhard May und genieße das „Sauwetterlied“.

Auf Regen folgt Sonnenschein und das kann in der Karibik auch schon nach ein paar Minuten sein. Handtuch raus und ein bisschen was gegen den hohen Bluttfettgehalt tun. Während ich mein Jimmyprogamm für den Bauch sowie Yoga für den Kopf absolviere, flitzen eifrig junge Europäer um mich herum, die jamaikanischen Plastikmüll am Strand einsammeln. Ein kleines bisschen Neid überkommt mich, dass ich diese Optionen nach dem Abi nicht auf dem Schirm hatte. Jeremy Loops fängt mich wieder ein: “It’s all good”. Und mein Vater fügt hinzu: carpe diem and life is now. 

So schaue ich mich wachsamen Auges um, was das Leben gerade so bietet. Slapstick Theater an der Karibikküste:

  1. Technik versus Natur: Ein Geier setzt zum Sturzflug an, krallt sich die Drohne und verzieht sich damit in eine hohe Palme. Viel wütendes Geschrei und der Einsatz von kreativen Wurfgeschossen holen das Fluggerät nicht zurück. Aber der Amerikaner darf sich zum Trost über ein paar Likes auf seinem Youtube Kanal freuen.
  2. Mensch ohne Technik: Im Neanderthal Modus fuchtelt der Tourist mit einem langen Stock mühsam an einer Palme herum und wird mit einer Kokosnuss belohnt. Die pfiffigen Costa Ricanesen behelfen sich mit einer Leiter und ernten ganze Kokosnussstauden. Hätte der Amerikaner noch seine Drohne, er würde es wohl damit versuchen.
  3. Mensch mit Technik: Tattoos gehören hier zum guten Ton, bei Einheimischen wie Touristen. Von schwarz bis bunt, von klein bis groß. Etwas, was ich noch nicht ausprobiert habe. Mal sehen, ob und wan es soweit ist. 
  4. Mensch versus Mensch: Ein weiterer Weggefährte aus Brasilien taucht plötzlich auf. Der wohlgenährte Wellcooking preist überteuerte Kokosnüsse an und erklärt mir seinen Blick auf die Touristen. Der Amerikaner ist der beste, weil spendabelste. Er spart lange auf diesen Urlaub und ist dann auch nicht knauserig, insbesondere da 25 Prozent Trinkgeld für ihn üblich sind. Der schwierigste ist der Franzose. Er verlangt eine Exklusivbehandlung, tout suite und möchte für diese Nettigkeit gerne noch einen Preisnachlass. Während er noch so vom Leder lässt, kommt eine junge Frau, um bei ihm für morgen, exakt um 14 Uhr 3 Doppelkayaks zu reservieren. Auf seine beiläufige Antwort, ich bin ja jeden Tag hier, wiederholt sie ihr Anliegen mit Nachdruck, sie bräuchte morgen um 14 für 1 Stunden die Boote. Si, alemana, te entiendo. Die Tourismusperversion findet seinen Höhepunkt im Bootsverleih. Die deutschen Kanuanbieter würde auch so gerne mit ABBA einstimmen bei “Money, Money, Money”. Vom Naturgefühl bleibt da nicht viel übrig. So schlängle ich mich mit einem kleinen Kayak gekonnt durch die Massen und erkunde lieber Flusslandschaft, die der Mehrheit verborgen bleibt. Hier treffe ich dann jede Menge, der sich bisher gut versteckt gehaltenen Ninja Turtles. Und vermutlich weil ich gerade dachte Fischflossenflipflops gesehen zu haben, und mir damit Otto Waalkes in den Sinn kam, lässt sich Sid das Faultier von seiner Liane herab, um mich zu grüßen.
  5. Die Affentechnik: Der Beleg warum der Mensch wohl vom Affen abstammt: die Affenstämme bekriegen sich auch untereinander, es geht immer um Territorialverteidigung, Erweiterung oder Futterneid: das Video (unten) sagt mehr als 1000 Worte.

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