Zu Gast bei Tarzan

5 Uhr. Jeremy Loops holt mich ganz entspannt mit “Wake up” aus dem Schlaf. Ein neuer Tag, auf zu neuen Abenteuern. Aufgrund meiner Reisestrategie: “ich weiß heute noch nicht, wo ich morgen seien möchte”, verlasse ich mein liebgewonnenes Plätzchen, da fürs Wochenende bereits alles belegt ist. Ich befrage meinen Kumpel Wellbooking und entscheide mich für die antizyklische Variante. Wenn alle am Wochenende ans Meer fahren, fahre ich doch besser ins Hinterland.

Bevor ich mich aber von diesem paradiesischen Fleckchen verabschiede, mache ich noch einen Spaziergang zur Felsklippe. Ich schlendere vorbei an den Guarda Guapos, die vor allem bestens ausgebildet sind in den Disziplinen “Selfies” und “Hair Styling“. Ein Live-Einsatz zur Rettung von Kaulquappensocken habe ich nicht erlebt, vielleicht auch sicherer so. 

Neben Guarda Guapos laufen am Strand auch Guapas ohne Guard entlang. Damit sich keiner verleiten lässt frei nach der Bloodhound Gang “just do it, like they do on the discovery channel”, verweist der Hotelbetreiber auf gute Sitten: “in diesem Unternehmen respektieren wir das Gesetz gegen sexuelle Belästigung”. Entgegen der Annahme, dass dies doch selbstverständlich sei, scheint man hier die Notwendigkeit zu verspüren, darauf aufmerksam zu machen. Vielleicht wird befürchtet, dass sich der ein oder andere zu sehr an der Glücksbringerstatue aus San Jośe orientiert. Joe Cocker wird angeregt, seinen Klassiker umzudichten: You can leave your hands off. 

Zum Abschluss begegne ich noch dem Gründer dieses karibischen Fleckchens, Mr. Hansel, er liegt seit 1964 begraben auf der felsigen Anhöhe. So jung ist hier die Zivilisation noch, jedoch zeugen unzählige Baugruben davon, dass sich dies wohl bald deutlich ändern wird. Die Scorpione buddeln sich zu Mr. Hansel hinab und als er ihren “wind of change” hört, dreht er sich im Grabe um.

Ich ziehe weiter. Nächster Halt: das abgelegene, mit architektonischer Raffiness erbaute Refugio mit Meerwasserpool inklusive Bar zu einem Schnapperpreis: Pura Luxus. Das Konzept des Day Drinkings lässt sich hier bestens einer weiteren Generalprobe unterziehen, bevor in ein paar Tagen Karneval ist. Mit nackten Fööss lädt mich einer ein: “drink doch ene met”.

Ein unruhiger Schlaf, den ich nicht dem Alkohol anlaste sondern der Aussicht auf das morgige Adrenalin. Ich bitte Sean Paul: “just gimme the light”. Aber er lässt mich noch bis 5:30 Uhr warten. Dann ist es soweit, ein neuer Tag. Abenteuerattraktionen interessant zu halten bedeutet zumeist, immer noch einen draufzusetzen. Und es gut zu vermarkten. Ein wenig abgeschaut von den Südafrikanern befinden wir uns in the world’s biggest and highest Zipline-Anlage.

Erneut juckt es in meinem Ohr: “Welcome to the jungle”. Ich kann mich nicht entscheiden zwischen Aaradhna und Big Daddy, aber die message ist klar: auf den Spuren Tarzans. Ich klinke mich ein ins Sicherheitskabel. Juan, unser Guide, der gerade erst aus den Windeln herausgewachsen ist, erklärt mir die Technik. Weil er bei der Hälfte wieder von vorne anfängt, begnüge ich mich also mit 50 Prozent Sicherheitswissen, lasse mich ins Seil fallen und überlasse den Rest dem Adrenalin. Zu unserer Überraschung hat Tarzan auch seinen Freund Superman eingeladen. Und jener nimmt mich mit an seinem Cable über dem Dschungel. Gerade Flughaltung, Blick nach unten gerichtet und automatisch breiten sich die Arme aus, was unweigerlich zu einem high five mit King Louie führt. Der Brüllaffenkönig ist aber auch überall. 

Nachdem wir den höhenängstlichen Kubaner, die leichtbekleidete Amerikanerin und den übergewichtigen Niederländer, die Juan ganz schön ins Schwitzen gebracht haben, wieder sicher an der Basis abgeliefert haben, wird abgeklatscht: “Pura Vida”, was hier von “schön, dass du da warst” bis “lass noch eine Handvoll Dollar hier” vielfältige Bedeutung hat.

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