Nach so viel Abenteuer entscheide ich mich für eine unaufgeregte Heimreise, sofern Air Canada mitspielt und Toronto International nach dem heutigen Flugzeugunglück morgen wieder freigegeben wird. Setze meine Kopfhörer auf und lasse mich von Canned Heat auf “on the road again” mitnehmen. Crowded House klopft an und fragt, ob ich nicht etwas vergessen hätte: “always take the weather with you”. Und weil ich gerne mal was Neues ausprobiere, war diesmal der Regen mein ständiger Begleiter. Während die Bananenplantagen draußen vorbeiziehen, hinterlasse ich noch ein paar Eindrücke zu Essen und Transportmitteln und merke, wie meiner Schreibfeder für dieses Abenteuer die Tinte ausgeht.
Um an die ganzen Leckereien heranzukommen, müsste ich von Schwimmen auf “Surfin’ U.S.A.” umstellen. Da ich aber kein Beach Boy bin und meine zarten Öhrchen da nicht mitmachen, halte ich es lieber mit Queen: “I want to ride my bicycle”. Gesagt, getan. Für 3000 Colones: 1-Gang-Getriebe, Reifen vollgetankt, Schloss inklusive und alle Kilometer frei.
Als ich aus der Puste komme, steige ich um auf Uber Motorrad, der neueste Schrei, ein schmaler Grad zwischen Abenteuer und Leichtsinn. Ausprobiert, überlebt, abgehakt, mein Schutzengel ist außer Atem und hungrig:
Ceviche: hat mein Herz gewonnen. Diesem Gericht bin ich durchaus skeptisch begegnet. Ein Haufen roher Fisch in kalter Suppe. Aber nachdem ich mich getraut habe, bin ich begeistert, insbesondere von der karibischen Variante mit Kochbanane.
Traditionell karibisches Frühstück: Reis, Bohnen, Hühnchen in Kokos, Ei mit Schinken, undefinierter Weichkäse, dazu Obst und schwarzer Kaffee mit Zucker.
Traditionelles karibisches Abendessen: Reis mit Bohnen (gibt es quasi immer in jeglicher Darreichungsform von flüssig über cremig bis fest), frittierte Kochbananen, dann wahlweise Hühnchen in Kokos, Fisch des Tages oder Garnelen.
Für zwischendurch: unreife Mangosticks mit Salz und Limone. Man muss den Einheimischen ja nicht alles nachmachen. Reife Mango ohne Salz schmeckt deutlich besser. Was dafür gut mit Salz und Limone geht, sind getrocknete Kochbananen Chips.
Un momento Argentino: Medialunas de grasa und Churros. Viel Argentinien Flair, aber kein Vergleich mit dem Original. Nur der Mate am Strand mit argentinischen Auswanderern, die traditionell eine italienische Eisdiele mit Dulce de Leche Eissorte betreiben, kann mit dem Original mithalten. Liegt vielleicht auch daran, dass sie ihre jerbas aus Argentinien einfliegen lassen. Und es kommt noch besser: Während ich in meiner Hängematte Buch Nr. 5 beginne, kommt mein Mittagsdelivery am Strand vorbei: hausgemachte Empanadas. Keine 2 Stunden später schlendert der nächste Porteño an mir vorbei und preist seine Alfajores mit selbstgemachter Dulce de Leche an. Ein Genuss!
Auf der Suche nach Abendessen wandere ich durch dunkle Gassen und schemenhafte Gestalten erinnern mich an Buenos Aires. Da flüstert mir Adleraugen-Kirsche ins Ohr: “always take the long way around”. Zur Belohnung lande ich bei El Pampa, con acento argentino. Milanesa á la Napolitana und zum Nachtisch Medialunas de manteca, die auch noch mit dem Original mithalten können: Saborosus total! Zum Abschluss ein bisschen Deutsch: Vorbestellung: 2x Medialunas con jamon y queso auf 7 Uhr morgen früh. Süße Träume, die nur durch unsagbar schräge Karaoke durchkreuzt werden. Zwischen Ohropax und Kopfhörer entscheide ich mich für zweiteres, höre auf Roxette, die mir sagen “listen to your heart” und freue mich darauf, meine Liebe und Liebsten wiederzusehen.









